KI in der NPO-Kommunikation: nüchtern eingeordnet
Zwischen Heilsversprechen und Verbotsreflex liegt der Alltag: Was KI in der NPO-Kommunikation leistet, wo sie schadet und welche Leitplanken helfen.
Werkzeug, kein Wunder
Kaum ein Werkzeug hat die Kommunikationsarbeit so schnell verändert wie generative KI. Texte entwerfen, Protokolle zusammenfassen, Bilder bearbeiten, Übersetzungen anlegen: Was früher Stunden kostete, dauert heute Minuten. Für Organisationen mit knappen Ressourcen ist das ein echter Gewinn, gerade dort, wo eine halbe Stelle die ganze Kommunikation stemmt.
Genauso nüchtern betrachtet ist KI allerdings „nur“ ein Werkzeug. Sie kennt Ihre Organisation nicht und war bei keinem Ihrer Projekte dabei. Die Verantwortung bleibt bei Menschen. Beides zusammen ist die Ausgangslage.
Was heute gut funktioniert
Im Alltag bewähren sich KI-Werkzeuge vor allem als Zuarbeiter: erste Entwürfe, die ein Mensch weiterdenkt. Rohtexte für wiederkehrende Formate, Zusammenfassungen langer Dokumente, Ideenlisten am Anfang einer Kampagne, sprachliche Glättung. Auch in der Bildbearbeitung und bei Routine-Übersetzungen sparen die Werkzeuge spürbar Zeit.
Die Regel dahinter ist einfach: KI beschleunigt den Weg zum ersten Entwurf. Den letzten Schritt, die Entscheidung, was davon stimmt und was davon zu Ihnen passt, geht ein Mensch. So arbeiten zum Beispiel die Redaktionen des ASB NRW: Textvorschläge und Alternativtexte kommen aus der KI-Erweiterung im Backend, geprüft wird jeder Vorschlag, bevor er online geht.
Wo es schiefgeht
Drei Risiken verdienen einen genauen Blick. Das erste Risiko: KI-Systeme erfinden Inhalte, wenn ihnen Wissen fehlt, und sie tun es überzeugend. Jede Zahl und jeder Fakt aus einer KI gehört geprüft, bevor er veröffentlicht wird.
Das zweite Risiko betrifft den Datenschutz. Spenderdaten, Klientendaten und Personalunterlagen gehören in kein öffentliches KI-Werkzeug. Was Sie eingeben, verlässt Ihre Organisation – bei Daten von Menschen, die Ihnen vertrauen, ist das keine Kleinigkeit.
Das dritte ist das leiseste: der Einheitston. KI-Texte klingen gefällig und austauschbar und wer sie ungefiltert veröffentlicht, klingt bald wie alle anderen. Ausgerechnet die eigene, glaubwürdige Stimme geht dabei zuerst verloren.
Leitplanken für den Alltag
Es braucht kein dickes Regelwerk, aber ein paar geteilte Grundsätze fürs Team. Was veröffentlicht wird, hat ein Mensch geprüft und verantwortet. Daten von Spenderinnen, Klienten und Beschäftigten bleiben draußen. Und die eigene Stimme bleibt der Maßstab: KI liefert Material, den Ton gibt Ihre Organisation vor.
Wer so arbeitet, kann gelassen ausprobieren. Die Werkzeuge ändern sich schnell. Wer die eigenen Regeln kennt, kann jeden neuen Trend in Ruhe prüfen.
Unsere Haltung
Wir setzen KI-Werkzeuge selbst ein, als Zuarbeiter im Alltag – und jeder Text, der unser Haus verlässt, ist von Menschen geprüft und verantwortet.
Die Leitplanken von oben haben wir dafür in Technik übersetzt. Unsere KI-Umgebung haben wir selbst aufgebaut: eine eigene Oberfläche, in der wir je nach Aufgabe das passende Modell wählen. Ein vorgeschalteter Filter sortiert personenbezogene Daten aus, bevor sie ein Modell erreichen. Und eigene Wissensdatenbanken sorgen dafür, dass die Zuarbeit auf geprüftem Wissen fußt.
Eine Innovationsagentur wollten wir nie sein. Ein Werkzeug, das unseren Kunden Zeit und damit Geld spart, nutzen wir trotzdem gern.
Wenn Sie für Ihre Organisation einordnen möchten, was davon für Sie taugt: KI & Automatisierung.
Quellen: Datenschutzkonferenz (DSK), Orientierungshilfe „Künstliche Intelligenz und Datenschutz“, Version 1.0 vom 6. Mai 2024, datenschutzkonferenz-online.de (Abschnitte 3.1 und 3.3).